Jeden Spätsommer ab August sind sie plötzlich in Scharen da und vermiesen uns den Grillabend – Wespen. Die nervigen Plagegeister machen sich mit Wonne über Grillsteaks, Apfelkuchen und Wein her. Wespen eilt ein sehr negativer Ruf voraus. Viele Menschen fürchten sich vor den schwirrenden Hautflüglern und wollen sie um jeden Preis aus dem Garten fernhalten.

Wir erklären Ihnen die besten Tricks und Mittel, mit denen Sie Wespen vertreiben – und erklären, warum die ungeliebten Insekten gerade im Spätsommer so penetrant und aggressiv auftreten.

Spätsommer ist Wespenzeit

Ab Ende Juni, Anfang August ist die Aufzucht der neu geschlüpften Wespen abgeschlossen. War es bis dato die Hauptaufgabe des Staates, den Nachwuchs mit Proteinen zu versorgen, sind die adulten Wespen im Spätsommer praktisch arbeitslos, da das Nest nun leer ist und die jungen Wespen ausgeflogen sind.

Wespe mit Obststück
Im Spätsommer besonders hungrig und nervig: die Deutsche Wespe (Vespula germanica).
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Die alten Wespen sind plötzlich auf sich allein gestellt. Sie müssen nun selbst zusehen, wie sie an Nahrung gelangen. Da ist die Grillparty in Ihrem Garten ein wahres Fest für die ausgehungerten Insekten, da sich hier meist ein reiches Angebot an kohlenhydrat- und proteinreichen Speisen finden lässt.

Was Sie im Umgang mit Wespen unbedingt vermeiden sollten

Merken Sie sich als Faustregel, dass Wespen nur dann stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Ansonsten sind die Hautflügler recht umgängliche Zeitgenossen, die kaum Interesse am Menschen zeigen.

Wenn Sie einige Dinge beherzigen, müssen Sie den Stich der Wespe nicht fürchten. Zum einen sollten Sie hektische Bewegungen vermeiden, wenn eine Wespe Sie umschwirrt. Mit den Armen und Händen fuchteln verängstigt die Wespe und sie wird sich wehren. Auch wenn es fast unmöglich klingt: Bleiben Sie ruhig sitzen und warten Sie ab. Die Wespe wird Sie vielleicht einige Male neugierig umkreisen, dann aber schnell das Interesse verlieren.

Zum anderen sollten Sie nicht versuchen, die Insekten durch Anpusten zu vertreiben. Das im menschlichen Atem enthaltene Kohlendioxid wirkt wie ein Alarmsignal und versetzt die Tiere in Angriffsstimmung.

Abgedeckte Nahrungsmittel – zum Beispiel Kuchen unter einer Glocke – verströmen weniger Geruch und ziehen weniger Wespen an. Wenn Sie grillen, bringen Sie übrig gebliebene Reste zügig ins Haus und achten Sie bei Kleinkindern darauf, Speisereste im Gesichtsbereich und auf der Kleidung zu entfernen, um die Insekten nicht unnötig anzulocken. 

Ebenso ziehen süße Parfums, Cremes und grelle Kleidung das Interesse der Insekten auf sich. Beim nächsten Kaffeeklatsch im Garten sollten Sie daher neutrale Erdtöne wie Grün, Braun, Beige oder Grau tragen und auf Parfum verzichten.

Süßes Obst, um Wespen fernzuhalten

Wespe sitzt auf angebissenem Apfel
Reifes Obst, abseits von der Kaffeetafel platziert, nehmen Wespen gerne an. Bildquelle. 
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Im Rahmen von Jugend forscht fanden Schülerinnen und Schüler heraus, dass Wespen gereiftes Obst mit Freude annehmen – allen Obstsorten voran Weintrauben, da diese einen besonders hohen Zuckeranteil besitzen.

Wenn Sie Wespen gezielt von Ihrem Gartentisch fernhalten wollen, stellen Sie weit abseits eine Schale mit reifem Obst auf. Am besten fangen Sie damit schon frühzeitig – Anfang August – an. So wissen die Wespen, wo sie zukünftig Nahrung finden und haben keinen Grund mehr, auf Ihrer Grillparty den ungebetenen Gast zu spielen.

Wespenfallen: wenig effektiv und alles andere als tierfreundlich

Die im Handel erhältlichen Wespenfallen sind kein gutes Mittel, um Wespen zu vertreiben. Einige Modelle lassen sich mit Saft oder Limonade füllen, um die Wespen gezielt anzulocken. Was dann aber auf die Tiere wartet, ist ein grausamer Tod durch Ertrinken.

Getötete Wespen senden ein spezielles Alarm-Pheromon aus, das Artgenossen anlockt. Mit einer Wespenfalle tun Sie sich daher keinen Gefallen, da diese einen Rattenschwanz nach sich ziehen, der aus immer mehr Wespen besteht. 

Gut zu wissen: Der Papiertüten-Trick

Momentan geht ein Trick viral, laut dem eine zusammengeknüllte Papiertüte ein Wespennest imitieren und somit Wespen verschrecken kann. Dieser Trick funktioniert leider nicht. Viel mehr vertrauen Wespen auf ihren Geruchssinn als auf ihre Augen. Die Papiertüte ist für Wespen nichts weiter als eine Papierüte.

Lavendel und Kaffee – Mittel gegen Wespen?

Blühender Lavendel
Das ätherische Öl von Lavendel mögen Wespen gar nicht. Bildquelle: ©Hans, pixabay.com

Es gibt Gerüche, die Wespen nicht gut leiden können. Dazu zählt Lavendel. Es nützt allerdings nicht ganz so viel, wenn Sie einen Lavendeltopf auf den Tisch stellen – es ist nämlich das ätherische Öl der lilafarbenen Pflanze, das Wespen nicht mögen.

Geben Sie einige Tropfen Lavendelöl in eine Duftlampe oder in einen Diffuser. Idealerweise stellen Sie gleich mehrere Duftlampen rund um Ihre Sitzecke im Garten auf, um die lästigen Insekten fernzuhalten.

Detailaufnahme Kaffeepulver
Auch das Verbrennen von Kaffeepulver kann gegen Wespen helfen. Bildquelle: ©Miryam León, unsplash.com

Auch Kaffeepulver zählt zu den häufig angewendeten Tricks gegen Wespen. Hierfür müssen Sie das Pulver anzünden. Der Rauch und der starke Kaffeeduft sind bei den Insekten nicht sonderlich beliebt. Seien Sie aber vorsichtig: Das langsam verbrennende Kaffeepulver entwickelt eine enorme Hitze; nutzen Sie keine Glasschalen zum Verbrennen. Um ganz sicherzugehen und um Schäden an Ihrem Tisch zu vermeiden, nutzen Sie am besten eine hitzebeständige Emaille-Schale, in die Sie Alufolie legen. Dann geben Sie einige Esslöffel Kaffeepulver auf die Folie und zünden es vorsichtig an.

Der herbe und dominante Geruch des verbrennenden Pulvers schmeichelt nicht jeder Nase. Fragen Sie bei Ihrer nächsten Grillparty Ihre Gäste vorab, ob es in Ordnung ist, wenn Sie zum Schutz vor Wespen Kaffee verbrennen.

Wespen vertreiben – mit Ruhe und ein wenig Sympathie

Ob mit Lavendel oder Kaffee gegen Wespen: Probieren Sie ruhig verschiedene Dinge aus. Ein Allheilmittel gibt es leider nicht. Viel wichtiger als der Einsatz von Duftstoffen ist ohnehin, dass Sie Ruhe bewahren, wenn sich die gelb-schwarzen Plagegeister in Ihrem Garten verirren.

Schlagen Sie nicht um sich. Das regt die Tiere nur unnötig auf und animiert sie zum Stechen. Verzichten Sie auf Parfums und süße Duftstoffe sowie auf bunte Kleidung, um das Interesse der Wespen gar nicht erst zu wecken.

Was auch im Umgang mit Wespen hilft, ist Sympathie: Die zarten Hautflügler sind ausgehungert auf der Suche nach möglichst zuckerhaltigen Speisen. Ohne Staat und Nest stehen sie als Einzelkämpfer vor ihrem Lebensabend. Sobald im Oktober die ersten Nachtfröste einsetzen, ist ihr Leben auch schon vorbei und unsere Gärten sind wieder frei von Wespen.